KARDINAL GROËR

Ein Leben für Maria

Hans Groër, geboren am 13. Oktober 1919 in Wien, entstammte einer altösterreichischen Offiziersfamilie. So war sein Denken und Fühlen auch stets seiner Heimatstadt und den geistigen Werten der österreichischen Tradition verbunden.

 

Als er nach seiner Matura 1937 am Hollabrunner Gymnasium in das Wiener Priesterseminar eintrat, begegnete er hier jener großen Priestergestalt, die ihm Zeit seines Lebens Vorbild blieb, dem Spiritual und Univ.Prof. DDr. Friedrich Wessely. In diesen Jahren formte sich endgültig die Struktur seiner Frömmigkeit. Wessely war es auch gewesen, der ihm am 19. April 1942 die Primizpredigt in St. Stephan gehalten hatte.

Nach wenigen Kaplansjahren in Petronell und Bad Vöslau, wurde Groër 1946 Präfekt am Hollabrunner Knabenseminar, dann Religionsprofessor am dortigen Bundesgymnasium: ein Mann der Disziplin und der Lehre, aber auch bald ein geschätzter und unermüdlicher Beichtvater und Freund der Jugend. Kaum ein Jahr, in dem er nicht in der Liste der Primizprediger präsent gewesen wäre.

 

Außerschulisch widmete er sich unter vielen Opfern dem Aufbau der Pfadfinderbewegung im katholischen Geist, dann immer mehr jenem der Legion Mariens in ganz Österreich, besonders nachdem er mit der diesbezüglichen Nachfolge Professor Wesselys betraut worden war. Er schien für Maria zu leben, und es war innerlich folgerichtig, dass er sich ab 1969 ganz der Wiederbelebung der Roggendorfer Marienwallfahrt hingab. Der Dienst an Maria verschmolz mit dem Dienst an der Kirche zu untrennbarer Einheit.

Aufbaugymnasium, Klöster Marienfeld und St. Josef gegründet

„Ich habe drei Berufe“, sagte er einmal scherzhaft, und wies mit dieser Bemerkung auch auf sein fortgesetztes Wirken als „Mann der Schule“ hin: 1974 wurde er zum Direktor des von ihm gegründeten Aufbaugymnasiums in Hollabrunn ernannt.

 

Als kostbare Frucht der Marienwallfahrt erwuchs die Gründung des Klosters Marienfeld bei Maria Roggendorf – eingeweiht 1982 – mit heute 19 Zisterzienserinnen. 1974 trat er selbst (und 8 Gefährten mit ihm) in das Stift Göttweig ein. Im Zusammenhang mit der Einzelseelsorge durch ihn bzw. mit der Monatswallfahrt in Maria Roggendorf fanden mehr als 40 andere junge Männer die Kraft, die Gnade ihrer Berufung zum benediktinischen Ordensleben anzunehmen.

 

Dabei hatten er und viele seiner Mitbrüder das Ziel vor Augen, in Maria Roggendorf eine eigene benediktinische Gemeinschaft zu gründen. So erwuchs dank der wohlwollenden Unterstützung durch das Stift Göttweig zuerst das Superiorat (1986) und dann 1991 das abhängige Priorat „St. Josef“, das 2005 in die Selbständigkeit entlassen wurde.

Berufung auf den Bischofsstuhl

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1986 überraschte „P. Hermann“ die Berufung auf den Bischofsstuhl des Erzbistums Wien. Er wurde nicht nur mit Blumen empfangen. Dem kirchenpolitischen Dissens suchte er im Gesprächsvorgang des „Diözesanforums“ zu begegnen. Im Marianischen Jahr offenbarte sich erneut sein Eifer für die Ehre der Gottesmutter, und am 28. Juni 1988 überreichte ihm der Heilige Vater die Kardinalsinsignien, nachdem er kurz zuvor den Nachfolger Petri in Wien begrüßt hatte.

 

Am 13. März 1989 wählte ihn der österreichische Episkopat zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz. Die Sorge um den Dom und die Förderung der Herz-Jesu-Verehrung kennzeichnen sein Bemühen um Verinnerlichung. Sein Tagewerk begann unverändert um 4 Uhr früh; kein Brief blieb unbeantwortet, kein Detail vielfältiger Aufgaben unberücksichtigt.

Die Kampagne, die 1995 und 1998 in der Öffentlichkeit gegen ihn geführt worden ist, kann in ihren Hintergründen und Zusammenhängen hier nicht dargestellt werden. Nur eines: Der Kardinal hat Schmähung und Erniedrigung in beharrlichem Schweigen auf sich genommen. Sein Wirken blieb in diesen Jahren eingeschränkt auf seine umfangreiche, gewissenhaft geführte Korrespondenz, auf den Empfang zahlreicher Besucher und auf seine Spiritualstätigkeit in der Abtei Marienfeld.

Hier feierte er mit den Schwestern noch die Aschermittwochliturgie, um dann am kommenden Tag in jene gesundheitliche Krise zu geraten, die am 24. März 2003 mit seinem Tod im St. Pöltner Krankenhaus enden sollte. Lungenentzündung, ein akut gewordenes Krebsleiden, aber auch ein gebrochenes Herz haben ihn zu jenem dunklen Tor geführt, hinter dem, wie wir glauben und hoffen, der Glanz der jenseitigen Welt ihn erwartete. Sein Grab an der Außenseite der Apsis der Abteikirche Marienfeld ist das Ziel nicht weniger Beter.

Benediktinerkloster

Priorat St. Josef

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Tel: +43 2953 2589
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